Posts mit dem Label Vorgestellt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Vorgestellt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 13. Februar 2014

Nella Larsen im Dörlemann Verlag


NYRB, 25. April  2002, S. 18 ff
Das Dritte Kapitel

Das ist das Schöne beim Dörlemann Verlag, dass er Schriftsteller für uns ausgräbt, wie beispielsweise Larsen - vorher nie von ihr gehört. In der New York Review of Books* habe ich nachgeschlagen und fand gleich einen vollen Artikel, in dem Darryl Pinckney über sie und über ihr schmales Werk schreibt. Nella Larsen gehört in den Kreis der Harlem Renaissance, und sie ist für uns heute deswegen lesenswert, weil sie sich mit der Herausforderung befasst, in der eigenen Haut zu Hause sein, wenn die Gesellschaft Normen ansetzt, denen man nicht Genüge tun kann. Das ist das Hauptthema ihres Romans Seitenwechsel. Seitenwechsel ist übersetzt für "Passing", der Titel, unter der das Buch 1929 in New York (Bei Alfred Knopf) zuerst erschien. Passing ist der Begriff, wenn ein Nachkomme einer Mischehe zwischen Schwarzen und Weissen als Weisser "durchgeht". Die Idiotie der Diskriminierung gebiert eine Masse an Schicksalen, und Larsen durchmisst eine gehörige Strecke des Schicksals zweier sehr unterschiedlicher Frauen in dieser Lage, Irene und Clare.

Dörlemann
Kanada und die USA haben den Februar zum Black History Month erklärt, und so ist es ganz passend, Nella Larsen zu lesen. Das werden wir in der Vorleserunde also am kommenden Montag, den 17. Februar, tun, und zwar: Das dritte Kapitel. Jeder ist dazu herzlich eingeladen.

Der Dörlemann Verlag ist ein Schweizer Verlag und er druckt wunderbare Bücher. Dieses Jahr im März auf der Leipziger Buchmesse ist die Schweiz zu Gast, die ironischerweise just in den Schlagzeilen ist mit dem erfolgreichen Bürgerentscheid zu nationaler Abschottung. Aber der Dörlemann Verlag und viele der tüchtigen Schweizer Verleger zeigen uns die gute Seite der Schweiz, und die gilt es zu stärken.

Nella Larsen
Seitenwechsel
Übersetzt von Adelheid Dormagen
Dörlemann
Das Buch kann man selbstverständlich auch erwerben. Es ist leinengebunden, liebevoll ediert und mit Leseband versehen und kostet 19,90 €.

* Viele Archivnummern der New York Review of Books, darunter die erwähnte, liegen hier im Laden zum Blättern und Schmökern im Lesewinkel bereit. Schauen Sie doch mal vorbei.

Samstag, 2. November 2013

Vier Montage im November


Suhrkamp
Bantam
Berenberg

Es geht wieder weiter mit Shakespeare & der Kompanie. Jetzt, wo auch noch die letzten sieben Leseproben von der Longlist hinter uns liegen - oder in uns arbeiten, wohl besser gesagt - kehren wir wieder zum Wysocki-Projekt zurück. Wir - das kann jeder sein, und wenn die Runde über die üblichen zwei, drei Vorleser und Zuhörer wächst, bin ich glücklich.

Diogenes
Für den "Vorgestellt" Montag habe ich einen Auszug aus dem Novellenband "Das Haus in der Dorotheenstraße"von Hartmut Lange ausgewählt, sprachlich schön gefasste Momente und Vorgänge mit Berliner Bezug.

Der Lyrik-Montag gilt Altaf Tyrewala, den es im Berenberg Verlag zu entdecken gibt.

Also, treten Sie frisch hinein in die Runde, machen Sie es sich gemütlich und spitzen Sie die Ohren - und wenn es Ihnen Spaß macht, übernehmen Sie eine Passage des Vorlesens.

Hier gibt es den Vorleseplan November zum Ausdrucken: (PDF)

Mittwoch, 24. Juli 2013

Der letzte Montag im Juli


Wieser
Piper
C. H. Beck

Wenn Sie den Verlagsnamen anklicken, finden Sie mehr Informationen zum Buch; wenn Sie den Autoren anklicken, gelangen sie zum digitalen Laden der Schröerschen Buchhandlung. Wir freuen uns auf Ihre Bestellung.

Möller / Wieser/ Dalos
Polen, Bosnien, Ungarn - Impressionen Der Vorlesemontag am 29. Juli ist drei Büchern gewidtmet, die uns mitnehmen auf eine Reise in den Osten Europas.

Steffen Möller beschreibt etwa die Kunst der Polen, zu überkombinieren, was auf Polnisch "Przekombinować" heisst, und sich entschieden vom Tatbestand der Korruption unterscheidet, wie er anschaulich mit einer Anekdote belegt. Kirche und Religion in allen Facetten hat Platz und alles, was darüberhinaus Polen ausmacht. Es sind Begegnungen, Eindrücken und Reflektionen während einer Reise mit dem Berlin-Warschau Express. Alles kommt klug und witzig daher und hat die wohltuende Wirkung, dass uns unser Nachbar noch näher rückt und dabei neugierig macht auf eigene Begegnungen.

Der Wieser Verlag betreut von Klagenfurt aus ein Programm, das sich mit der Kultur und Gesellschaft der Länder befasst, die einst zur Habsburger K&K Monarchie gehörten, vermeidet dabei aber Nostalgie und Miefigkeit. Vielmehr öffnet sich der Verlag sozusagen mit Staunen dem vielfältigen Treiben und dem stetigen Wandel dieser Region und seiner Leute. In Pita, Burek oder Börek? erzählen Barbara Maier und Lojze Wieser von ihren Reisen auf dem Balkan, wobei die Kochkultur eine prominente Stellung einnimmt.

Mit György Dalos kehrt eine ernstere Note in die Landesmonographie ein. Im Ausblick meint Dalos: "Brüssel ist nicht Moskau, und die Mitglieder der Europäischen Union sind keine Satelliten." Seine kluge Begleitung durch die über tausendjährige Geschichte hilft uns, Ungarn als ein eigenes Land zu verstehen, das zu entdecken lohnt, auch, um Ideen für ein lebendiges und menschliches Europa zu bekommen.

Freitag, 17. Mai 2013

veni sancte spiritus


Pfingsten; Antiphonar Brünn

Allen Lesefreunden wünsche ich ein frohes und erleuchtendes Pfingsten! Die Quelle für die abgebildete Buchmalerei sprudelt aus dem Europeana Portal

Die Seite ist im Internet bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt. Im Englischen heisst es:

What We Do

  • Aggregate – We are building the open, trusted source for European cultural content
  • Facilitate – We support the cultural heritage sector through knowledge transfer, innovation and advocacy
  • Distribute – We make heritage available to people wherever they are, whenever they want it
  • Engage – We cultivate new ways for people to participate in their cultural heritage
Es geht also darum, im Internet eine riesige Bibliothek und Mediathek zu errichten, die Jedermann zugänglich ist. Viele Institutionen - Museen, Bibliotheken, Sammlungen, Stiftungen - beteiligen sich dabei europaweit. Wenn das nicht ein gutes Thema zu Pfingsten ist! Der letzte Punkt, das Engagement, spricht mich dabei besonders an, und wenn ich Ihnen Lust bereite, sich bei der Europeana zu registrieren und dort häufig Gast zu sein und an den Quellen Labe zu suchen, dann macht mich das froh.

S. Fischer
Was den Vorlesemontag betrifft, für den Ausschnitte aus William Maxwells Roman: geplant waren, so fällt dieser wegen Pfingstmontag aus. Das Buch ist dennoch sehr empfehlenswert. William Maxwell ist Amerikaner, weswegen bei der Europeana nicht über ihn zu finden ist. Dafür gibt es aber einen schönen langen Artikel in der New York Review of Books, leider auch nur auf Englisch:  The Perils of His Magic Circle von Edward Mendelson (April 29, 2010, NYRB Vol LVII, Number 7). Die Ausgabe kann hier gelesen und unter Umständen auch entliehen werden.

Der Roman von William Maxwell, So Long, See You Tomorrow, ist als: Also dann bis morgen in der Übersetzung von Benjamin Schwarz bei Zsolnay erschienen und als Taschenbuchausgabe bei S. Fischer lieferbar. Es war der Kandidat für Patronatskind Eins.

Mittwoch, 13. März 2013

"knorrig, kantig und sympathisch"


Diogenes
So schreibt das Hamburger Abendblatt über Hunkeler, und dem stimme ich zu.

Hansjörg Schneider
Hunkeler und die Augen des Ödipus

Diogenes

Hunkeler und die Augen des Ödipus, den achten Fall, habe ich gelesen. Es hat mir großes Vergnügen bereitet, auch, dabei im Geist das Dreiländereck zu besuchen, witzige Anmerkungen zum modernen Theater zu lesen und von der geheimnisvollen Atmosphäre des Hafenviertels gefesselt zu werden. Statt auf den Handlungsverlauf einzugehen zitiere ich hier aufs Geratewohl ein paar Sätze quer durch den Roman, die zeigen, wie gut Hansjörg Schneider unterhält und auf die schrullig-stöbernde Weise Hunkelers allmählich den Fall klärt.



S. 17:  
Der Artikel war vom dicken Hauser gezeichnet, der unweit von Hunkeler an der Colmarer Straße wohnte. Es war offensichtlich, dass er die Havarie der Antigone zur großen Geschichte ausbauen wollte. Hatte Vetter Feinde, fragte er, die ihm ans Leben wollten? Hatte seine unbarmherzig konsequente Arbeitsweise, mit denen er die verkrusteten Strukturen des überlebten Bildungstheaters aufzubrechen, die von einem faschistoiden Polizeiapparat unterdrückten Widersprüche und Spannungen der durchökonomisierten Gesellschaft auf die Bühne zu stellen versuchte, zu seinem Verschwinden geführt? …


S. 78: 
Er stieg drei Stufen hoch und klopfte an die Haustür, mehrere Male. Er wartete ziemlich lange. Dann ging die Tür auf, vor ihm stand eine ältere Dame. Sie hatte ein Wolltuch über die Schultern hängen, das ihr bis zu den Knien reichte. Ihr Kopf war kahlgeschoren. Es war die Schauspielerin Judith Keller.

“Ja?”


S. 121: 
“Ich bin hier am Bach aufgewachsen”, sagte sie. “Da entwickelt man einen Blick für alle Arten von Polizisten.”

“Wie viele Arten gibt es?”

Sie lachte.

“Es gibt die bösen, die hinterlistigen. Die Zögerer, die unbeholfen wirken. Die anständigen, jovialen. Gefährlich sind sie alle.”


S. 182: 
Hunkeler hielt nichts von Leuten, die mit einer Theorie die Welt retten wollten. Trotzdem las er weiter. Adorno hatte eine Sprache, der er nur mit großer Mühe zu folgen vermochte. Er nahm das als knifflige Denksportaufgabe. Er staunte über Adornos Anspruch, sein Denken über alles und jedes auszubreiten, auch wenn er keine Ahnung hatte davon.


S. 215: 
Früh am Sonntagmorgen, dem 14. Juni, war Hunkeler im Rheinbad St. Johann und schlüpfte in die Badehose. Der Fluss führte Hochwasser, eine braune Flut wälzte sich Richtung Norden. Es hatte im ganzen Mittelland gewittert.

Bei der Klingentalfähre stand der Fischersmann Fridolin Ruf im Ölzeug.

“Grüß mir die Reisenden”, sagte Hunkeler.


Also auf zu einer Reise nach Basel! An (und in) den Rhein, den Hafen, das Theater, die Spelunke - und unter die Menschen, von denen einer ein gefährlicher Mörder ist.



Am Montag, den 18. März 2013 werden die Vorleser und Zuhörer in ein paar Anfänge aus den anderen Fällen von Hunkeler hineinschnuppern. Ein Jeder ist, wie immer, herzlich dazu eingeladen.