So schreibt das Hamburger Abendblatt über Hunkeler, und dem stimme ich zu.
Hansjörg Schneider
Hunkeler und die Augen des Ödipus
Diogenes
Hunkeler und die Augen des Ödipus, den
achten Fall, habe ich gelesen. Es hat mir großes Vergnügen
bereitet, auch, dabei im Geist das Dreiländereck zu besuchen, witzige
Anmerkungen zum modernen Theater zu lesen und von der geheimnisvollen
Atmosphäre des Hafenviertels gefesselt zu werden. Statt auf den
Handlungsverlauf einzugehen zitiere ich hier aufs Geratewohl ein paar
Sätze quer durch den Roman, die zeigen, wie gut Hansjörg Schneider
unterhält und auf die schrullig-stöbernde Weise Hunkelers
allmählich den Fall klärt.
S. 17:
Der Artikel war vom dicken
Hauser gezeichnet, der unweit von Hunkeler an der Colmarer Straße
wohnte. Es war offensichtlich, dass er die Havarie der Antigone zur
großen Geschichte ausbauen wollte. Hatte Vetter Feinde, fragte er,
die ihm ans Leben wollten? Hatte seine unbarmherzig konsequente
Arbeitsweise, mit denen er die verkrusteten Strukturen des überlebten
Bildungstheaters aufzubrechen, die von einem faschistoiden
Polizeiapparat unterdrückten Widersprüche und Spannungen der
durchökonomisierten Gesellschaft auf die Bühne zu stellen
versuchte, zu seinem Verschwinden geführt? …
S. 78:
Er stieg drei Stufen hoch und
klopfte an die Haustür, mehrere Male. Er wartete ziemlich lange.
Dann ging die Tür auf, vor ihm stand eine ältere Dame. Sie hatte
ein Wolltuch über die Schultern hängen, das ihr bis zu den Knien
reichte. Ihr Kopf war kahlgeschoren. Es war die Schauspielerin Judith
Keller.
“Ja?”
S. 121:
“Ich bin hier am Bach
aufgewachsen”, sagte sie. “Da entwickelt man einen Blick für
alle Arten von Polizisten.”
“Wie viele Arten gibt es?”
Sie lachte.
“Es gibt die bösen, die
hinterlistigen. Die Zögerer, die unbeholfen wirken. Die anständigen,
jovialen. Gefährlich sind sie alle.”
S. 182:
Hunkeler hielt nichts von
Leuten, die mit einer Theorie die Welt retten wollten. Trotzdem las
er weiter. Adorno hatte eine Sprache, der er nur mit großer Mühe zu
folgen vermochte. Er nahm das als knifflige Denksportaufgabe. Er
staunte über Adornos Anspruch, sein Denken über alles und jedes
auszubreiten, auch wenn er keine Ahnung hatte davon.
S. 215:
Früh am Sonntagmorgen, dem 14.
Juni, war Hunkeler im Rheinbad St. Johann und schlüpfte in die
Badehose. Der Fluss führte Hochwasser, eine braune Flut wälzte sich
Richtung Norden. Es hatte im ganzen Mittelland gewittert.
Bei der Klingentalfähre stand der
Fischersmann Fridolin Ruf im Ölzeug.
“Grüß mir die Reisenden”, sagte
Hunkeler.
Also auf zu einer Reise nach Basel! An (und in) den Rhein, den Hafen, das Theater, die Spelunke
- und unter die Menschen, von denen einer ein gefährlicher Mörder
ist.
Am Montag, den 18. März 2013 werden
die Vorleser und Zuhörer in ein paar Anfänge aus den anderen Fällen
von Hunkeler hineinschnuppern. Ein Jeder ist, wie immer, herzlich
dazu eingeladen.